Kleiner Drache auf Woll-Suche

Heute gibt es eine wunderschöne Geschichte von Helmut Neumeier, ich bin sehr geehrt, eine der Hauptfiguren zu sein !

Ein paar Minuten Zeit, die sich lohnen, und Jedem ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Und die Wolle gibt es demnächst natürlich auch bei mir! 

 

Helmut Neumeier, im Juli 2019: 

Wie der kleine Drache die richtige Wolle fand

Dem Drachenland hinter den sieben Vulkanen stand ein sehr kalter Winter bevor, das hatten die Menschen im Fernsehen so vorausgesagt. Und was die Menschen sagten, darauf war Verlass.
Frau Drache strickte für ihre sieben Kinder, welche allesamt aus bunten Eiern geschlüpft waren, für solche harten Winter immer extra dicke Pullover damit sie sich nicht den Drachen-Rachen erkälteten. Es wäre ja ganz furchtbar, wenn aus ihren entzündeten Mäulern kein Funken Feuer mehr kommen würde!
Das jüngste ihrer sieben Kinder hatte über den Sommer aber einen derartigen Wachstumsschub gehabt, das sie nun nicht mehr genügend Garn hatte.
„Kleiner Drache, du musst unbedingt Wolle kaufen gehen, ich habe keine mehr, um dir einen wärmenden Pullover zu stricken. Hier hast du ein paar Feuertaler, flieg zur Frau Winterscheid ins Wollgeschäft und suche dir eine schöne Wolle für dich aus.“
Der kleine Drache hatte gar keine Lust, bei dem ungemütlichen Wetter nach draussen zu gehen, es regnete, und er mochte keinen Regen. Da musste er sich dann nachher wieder stundenlang seine Schuppen trocknen, und das war nun mal eine blöde Arbeit. 
Allerdings- so dachte er, wenn ich mir schon die Wolle aussuchen darf dann gehe ich schnell los, sonst strickt Mama wieder etwas in doofen Farben. 
Leberwurst-Grau und Krötendreck-Grün waren leider ihre Favoriten.
Er machte sich auf durch den kalten Regen, und nach etwa zwanzig Minuten Flugzeit landete er mit einem heftigen Plumps in einer tiefen Pfütze vor Frau Winterscheids Geschäft. Er schüttelte sich erst einmal kräftig und wischte sich das Wasser aus dem Gesicht. Staunend blickte er in das üppig dekorierte Schaufenster von Frau Winterscheids Wollgeschäft. Bunte Strickjacken hingen dort auf Schaufensterdrachen, auf einem Stuhl lag eine bunte Häkeldecke mit Blumen verziert. Ganz vorne im Schaufenster erblickte er staunend bunt behäkelte Dracheneier. Frau Winterscheid musste sie wohl beim umdekorieren vergessen haben, denn Ostern war ja längst vorbei. Vielleicht hatte sie aber auch einfach Freude daran, die Kundschaft zu necken. 
Plötzlich läutete die Türglocke, und schreckte ihn aus seinen Gedanken.
„Komm rein, kleiner Drache, du holst dir ja den Tod da draußen!“ Frau Winterscheid stand in der Tür und winkte ihm zu. Flink schlüpfte er durch die Ladentür ins wohlig trockene Innere des Wollgeschäfts. „Das ist ja ein furchtbares Wetter, das Du noch unterwegs bist, das wundert mich“, sagte die Inhaberin. „ Ich soll Wolle für einen warmen Pullover kaufen, meine Mama schickt mich“, entgegnete der kleine Drache. 
„Das freut mich, dann schau dich in Ruhe um, und suche dir ein schönes Garn aus…….hier habe ich eine schöne Schurwolle in Leberwurst-Grau…….oder hier drüben findest du Alpaka in Krötendreck-Grün….“.
„Nein, Nein!“, sagte der kleine Drache. „ Ich möchte gerne etwas Buntes, schliesslich bin ich ja auch aus einem bunten Ei geschlüpft!“
Die Farbe ihrer Haare gefiel ihm sehr. Frau Winterscheid hatte leuchtende, orangefarbene Haare, die sie kurz geschnitten trug.
„So, wie ihre Haarfarbe! Und Grün! Und Gelb! Und Rot! So soll die Wolle sein! Und am besten in Neonfarben!“, sagte der kleine Drache ganz aufgeregt. 
Frau Winterscheid war ganz begeistert, das der kleine Drache genau wusste, was er wollte. 
„Nun, dann schau mal hier in dem Regal, da sind die bunten Garne“. 
Der kleine Drache stellte sich auf seine Krallenspitzen und reckte den Kopf in das Regal mit den bunten Garnen. Richtig begeistern konnte er sich aber nicht dafür. Es gab zwar rotes, gelbes und grünes Garn, aber es war nicht kräftig genug, wie er fand. 
Er sank von seinen Krallenspitzen wieder runter auf seine Füße und war etwas enttäuscht. Nun war er doch extra bei dem Wetter hierher geflogen, hatte klatschnasse Schuppen, und im Winter keinen Pullover.
„Komm kleiner Drache, setz dich doch einfach etwas zu mir aufs Sofa, vielleicht erblickst du ja doch noch ein passendes Garn. Soll ich dir ein Brause machen?“ fragte Frau Winterscheidt.
Der kleine Drache liebte Brause, manchmal kaufte er sich von seinem Taschengeld ein paar Tütchen Brause, und schlabberte das Pulver gleich so weg, ohne es im Wasser aufzulösen. Das bitzelte immer so schön auf der Drachenzunge. 
„Auja, sehr gerne“, sagte der kleine Drache. 
Welche Sorte magst du denn? Ich habe hier rosa, blau grün…..“.
„Frau Winterscheid, hast, du auch Gelb, Orange, Grün, und Rot? Denn das sind mir die liebsten Sorten!“
„Na klar“, entgegnete die Wollverkäuferin, „und welche von diesen Sorten möchtest du ?“
„Du kannst mir alle vier Sorten in ein Glas schütten, so mag ich die Brause“, entgegnete der kleine Drache.
Frau Winterscheid verschwand in der kleinen Küche, und während sie ihm die Brause zubereitete, schaute er sich ein bisschen vom Sofa aus um. Vor ihm auf dem Tisch erblickte er ganz helle Wolle, die zu einem Strang gedreht war. Er berührte die Wolle, und sie fühlte sich wunderbar weich an. So eine weiche Wolle hatte er noch nie in seinen Klauen gehalten. Aber leider hatte diese Wolle gar keine Farbe.
Frau Winterscheidt kam mit einem grossen Glas Brause, und stellte es vor ihm auf dem Tisch ab. 
„Na, hast du vielleicht noch etwas entdeckt?“ fragte sie, und nahm sich das Strickzeug in die Hand. 
„Hmmmm, diese Wolle hier ist ja so schön weich, die würde mir gefallen, aber sie hat ja gar keine Farbe!“ sagte der kleine Drache etwas traurig. 
„Das ist eine Wolle, die man färben kann, ganz wie sie einem gefällt. Nur habe ich leider kein Farbpulver mehr, das muss ich noch bestellen.“
Der kleine Drache nahm einen großen Schluck von der leckeren Brause, die in seinen Lieblingsfarben im Glas schillerte.
„Das ist ja interessant“, stellte er fest. 
Er trank das Brauseglas mit einem weiteren großen Schluck leer, und kurz darauf bemerkte er die Luft in seinem Bauch. Den Wollstrang in seinen Klauen haltend, entwich ihm ein lauter Rülpser. 
„Oh, Entschuldigung“, sagte der keine Drache, „das wollte ich nicht“.
„Was ist das denn?“ fragte Frau Winterscheid mit großem Erstaunen. „Die Wolle ist ja ganz gelb, grün, orange und rot! Kleiner Drache, du hast mit deinem Rülpser die Wolle gefärbt! Das gibt es doch nicht, wie toll! Das hast du prima gemacht. Warte! ich mache dir noch ein grosses Glas Brause mit deinen Lieblingsfarben, und dann färbst du mit deinen Rülpsern noch zwei oder drei Wollstränge, das dürfte dann für einen Pullover in deine Größe genügen.“
Der kleine Drache blickte erstaunt auf die Wolle, die genau seinen Vorstellungen entsprach. Er kicherte, und freute sich, das er so die perfekte Wolle einfach selbst gefärbt hatte. Frau Winterscheid kam mit einem noch grösseren Glas Brause, und er leerte es in einem Zug. Er hielt drei helle Wollstränge in den Klauen, und rülpste ganz laut. Diesmal lies er alles ganz ungehemmt raus. Und siehe da: Die Wolle war genau so schön gefärbt, wie der erste Strang! 
Frau Winterscheid und er mussten sich kringeln vor lachen. 
Der kleine Drache wollte jetzt gerne bezahlen, denn er hatte ja noch einen weiten Weg vor sich. Frau Winterscheid wollte aber kein Geld. Sie machte ihm einen Vorschlag: „ Kleiner Drache, komme bitte einmal in der Woche zu mir, du kannst dann Brause in allen Farben trinken, wenn du mir dann schön mit deinen Rülpsern die Wolle färbst.“ Er fand diese Idee gut, und er versprach ihr, immer samstags zu ihr zu kommen, denn dann war schulfrei.
Lachend verliess er das Geschäft, Frau Winterscheid winkte ihm hinterher.
Der Regen hatte aufgehört, und so kam er nach seinem Flug sogar mit trockenen Schuppen zu Hause an.
„Wo bleibst du denn, ich hab mir schon Sorgen gemacht“, fragte Mutter Drache, als er in die Küche kam. 
„Ich habe so lange mit Frau Winterscheid gesprochen, das war richtig schön“. entgegnete er.
Mutter Drache erblickte die Wolle, die er in seinen Klauen hielt. „Die ist ja wunderschön, und soooo schön bunt“, sagte sie, „Jaja, die Frau Winterscheid hat immer die beste Auswahl. Hat das Geld gereicht, Sohn?“
„ Mhhh-ja,ja“ antwortete der kleine Drache etwas nervös. „Ich gehe jetzt auf mein Zimmer, ich bin ziemlich müde“, teilte er seiner Mama mit. 
In seinem Zimmer legte er sich auf sein Bett. So ein schöner Tag, dachte er, und ich habe meine ganz eigene Wolle bekommen, so, wie sie mir gefällt. 
Aus der Hosentasche zog er ein Päckchen Brausepulver, riss es auf, und leckte mit der Zunge an dem Pulver. Er hatte auf seinem Rückflug noch kurz am Kiosk angehalten, und das Geld für die Wolle in Brausepulver umgesetzt. Damit ich genug zum Üben habe, dachte der kleine Drache und rülpste kichernd, dieses Mal in Lila.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.